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Stimmen

 

...aus dem Publikum im unternehmen mitte

Die modernen Mysterien finden im Café statt
Ein grossartiger Bau aus Beton, der vollends fragwürdig würde, wenn seine Bühne nicht
mit den Mysteriendramen des Erbauers Rudolf Steiner bespielt würden. Im Basler
«Unternehmen Mitte» müssen sie nicht aufgeführt werden. Sie knüpfen weder an Yoga,
Salsa, Laptops noch Latte macchiato an. Doch sind sie mit der Attraktion verknüpft, die sie
auf ernsthafte Schauspieler haben können. Schauspieler und Schauspielerinnen, die sich
entschliessen, dort für sie eine Zuhörerschaft zu gewinnen, wo man sie nicht erwarten
kann.
Ich habe nur Kritisches über „Mysteriendramen - hautnah“ gehört, bevor ich sie mir selber
ansah. Ihnen beiwohnte, muss man schon sagen. Und da hat es sich einmal mehr
bestätigt: die Dramen stellen Seelenregungen und Geistesbewegungen dar, die weitaus
wirklicher sind als die Platitüden, die man als vertraut begrüsst. Sie sind eigentlich kein
bisschen mysteriös, auf jeden Fall nicht mehr, als man sich selber sein mag. Für ihre
Substanz und noch mehr für die Liebe der SchauspielerInnen für die Dramen sprach die
Qualität der Publikumsgespräche danach. Ein Nachglanz der Nähe, welche die
Steinerschen Dialoge zu den inneren Beweggründen der Protagonisten finden, legte sich
auch auf die Gesprächsteilnehmer. Die wenigen, die unberührt oder verwirrt zurückblieben
(es gab wohl auch sie), waren nicht anwesend. Die anderen konnten sich nur so geben,
wie sie sich zum gegenwärtigen Moment verstanden. Jeder aus seiner Ecke sprechend,
mit seinem ihm eigenen Ideal und Verständnisbedarf. Doch für jeden anderen ein Anlass,
sich selbst besser zu verstehen. So wie Capesius oder Strader, Theodora oder Johannes,
Maria und Benedictus. - Man möchte die unirdisch merkwürdigen Figuren immer wieder
neu von Schauspielern und Schauspielerinnen zu Leben erweckt sehen. Denn sie stellen,
hundert Jahre nach ihrem Entstehen, noch immer eine unersetzbare Hilfe dar, um das
Bewusstsein für das geistreale Leben der Mitwirkenden auf beiden Seiten der Bühne zu
schulen.
Reto Andrea Savoldelli, FR-Biederthal (9.Juli 2011)

 

Ich hatte das Glück, mehrere Sequenzen aus den vier Mysteriendramen Rudolf Steiners im
Unternehmen Mitte „hautnah“ erleben zu dürfen.
Die Räume der ehemaligen Volksbank mitten in Basel sind schon seit vielen Jahren Lebensräume
für kulturelle und gesellschaftliche Anliegen geworden. Jetzt wurden während einiger
Wochen im April, Mai und Juni 2011 ein paar dieser Räume zur „Bühne“ bzw. zu Spielräumen
für das Mysteriendramen-Ensemble vom Goetheanum in Dornach.
Szenenwechsel hiess meistens auch: die Schauspieler begaben sich in einen neuen Raum
und das Publikum zog mit. Diese in doppeltem Sinne bewegenden Aufführungen hatten es in
sich. Unvergesslich eine Tempelszene im „Safe“, im Kellergeschoss der ehemaligen Bank!
Oder Maria und die Seelenkräfte in einem hohen, langen, schmalen weissen Raum im
obersten Stock des Gebäudes, von mir als „gotischer Raum“ erlebt. Sehr eindrücklich waren
auch die Auftritte von Ahriman und Lucifer sowie die Darstellung des Doppelgängers von
Johannes oder jene des Geistes von Johannes Jugend mit Hilfe der Eurythmie.
Ein Minimum an Requisiten und Kostümen musste genügen. Das Wesentliche waren die
dramatischen Vorgänge im dargestellten Personenkreis, die erkenntniswissenschaftlich
präzise und zugleich künstlerisch formulierten Gedanken im Wortlaut Rudolf Steiners.
Die Mysteriendramen stehen ja nicht in erster Linie im Dienste des Theaters, sondern im
Dienste der anthroposophischen Geisteswissenschaft. Sie sollen vor allem Anthroposophie
vermitteln, und zwar auf sehr lebendige, anschauliche Art. Und gerade dies scheint mir durch
das Experiment im Unternehmen Mitte besonders gut gelungen. Es macht einen grossen
Unterschied, ob ich die Dramen im grossen Goetheanum-Saal sozusagen monumental
vorgeführt bekomme oder ob ich das Gespräch zwischen Hilarius Gottgetreu und seinem
Bürochef „hautnah“ miterlebe, weil ich praktisch in der Szene drin sitze. Dasselbe gilt für die
Szenen bei Felicia und Felix Balde zuhause, z.B. wenn Frau Balde dem Professor Capesius
ein Märchen erzählt, oder wenn Dr. Strader und Theodora am siebenten Jahrestag ihrer Ehe
in seelischer Intimität miteinander sprechen.
Kurz, ich war begeistert vom Erlebnis, das mir da geboten wurde. Die Mysteriendramen
mitten im Leben! Da gehören sie hin. Dieser Brückenschlag aus den „Heiligen Hallen“ des
Goetheanum ins pulsierende Leben der Stadt Basel war überzeugend und zukunftweisend.
Der Stiftung, die es ermöglichte, den darstellenden Künstlerinnen und Künstlern, der Regie
und dem Unternehmen Mitte danke ich von ganzem Herzen.
Reto Mettauer

 

Wochenschrift “Das Goetheanum”, Sebastian Jüngel

…Darf man, so fragte ich mich selbst, völlig eingetaucht in das Geschehen, als wäre es echt und nicht gespielt, so nah einer intimen Situation beiwohnen? Diese unmittelbare Nähe zu den Schauspielern führte zu einer enormen Dichte des Erlebens, weniger ‹freilassend› und distanziert als der Blick auf ein Bühnengeschehen in der Ferne. Jetzt war man mittendrin, dem Geschehen fast ausgeliefert. «Gelungen!», signalisierte der Applaus. (…)

 

 Leserbrief

 …Die Schauspieler nahmen uns einfach mit in ihre ‹Theaterwerkstatt›.

 ...Wir sind einbezogen, stellen Fragen, schildern Eindrücke. Die Schauspieler wollen wissen, was wir denken, was wir fühlen. Sie wollen es wirklich! ....

  ...Die Intensität nahm gewaltig zu. Mimik und Gestik wurden so nah, so persönlich, dass man hätte eingreifen mögen – mitfühlend und tröstend. Erstaunlich auch die noch kraftvollere Wirkung des Doppelgängers durch die Nähe der eurythmischen Gesten, wenn sie wahrgenommen werden können bis in die Fingerspitzen und durch diese hindurch in den Raum.

 Gerlinde Kriese, Lukas-Zweig Heiligenberg (DE)

 

Aus dem Ensemble

„Stimmen hören. Hellsehen. Wahn und Wirklichkeit.“ Unter diesem Thema war die Hautnah Aufführung in Basel in der Mitte am 23. April 2011 eine Perle in einer so bedrohlichen Zeit. Mit "Perle" meine ich die Tatsache, dass durch die "hautnahe" Spielsituation mitten in der Stadt, Publikum und Darsteller intensiv und sehr persönlich in Rudolf Steiners Mysteriendramen eintauchen. Das ist ein kleines Wunder für mich und ich bin ausserordentlich dankbar an dieser Tat mit der Darstellung der Theodora mit gearbeitet zu haben. Tief bewegt und in regem Austausch verliessen Zuschauer und Darsteller die "Mitte". Ich hoffe auf eine Fortsetzung dieser Aufführungen.

Andrea Pfaehler / Theodora

 

 

Öffentlichkeit

Schaffhauser Nachrichten, 27.05.2011